Case Study 1 · 2026 · Architektur · Full-Stack · Identity · Analytics
Relaunch und Plattformmodernisierung ifV.de
Eigenentwicklung und Betrieb einer integrierten Web- und Seminarplattform: eigenes WordPress-Block-Theme, REST-API auf dem fachlichen Datenbestand, zentrales Single-Sign-On, cookiefreie Analytics und eine datenbasierte Migration vom Altsystem.
Ausgangslage
Der bestehende Webauftritt basierte auf TYPO3 und war nur eingeschränkt mit den internen Geschäftsprozessen verbunden. Seminardaten wurden teilweise redundant gepflegt, eine zentrale Schnittstelle zum Verwaltungsprogramm existierte nicht. Ebenso fehlten ein anwendungsübergreifendes Single-Sign-On, belastbare Reichweitenmessung und ein einheitliches Backup- und Betriebskonzept.
Ziel war deshalb nicht lediglich die Gestaltung einer neuen Website, sondern der Aufbau einer integrierten digitalen Plattform für Seminarverwaltung, Anmeldung, Lernangebote, Identitäten, Analytics und weitere Dienste.
Meine Verantwortung
- System- und Anwendungsarchitektur sowie Datenmodell und Schnittstellendesign
- Eigenes WordPress-Block-Theme und fachliche Plugins
- Python-/FastAPI-Backend und Datenbankmigrationen
- Migration des TYPO3-Bestands und Weiterleitungsstrategie
- Server- und Containerbetrieb, Backup und Monitoring
- Identity Management und Single-Sign-On über Keycloak/OIDC
- Technische SEO, Analytics und Conversion-Messung
- Datenschutz, Barrierefreiheit und Integration von Lern-, Video- und KI-Diensten
- Abstimmung mit Geschäftsführung, Fachbereichen und externen Dienstleistern
Technische Lösung
Entstanden ist eine modular aufgebaute Plattform mit einem selbst entwickelten WordPress-Block-Theme und eigenen Fachplugins. Seminardaten werden nicht im CMS gepflegt, sondern über eine eigene REST-API aus dem fachlichen Datenbestand bereitgestellt. Für Authentifizierung und Rollenverwaltung wurde ein zentraler Identity Provider über OpenID Connect integriert.
- Debian
- Caddy
- Apache
- PHP-FPM
- WordPress FSE
- PHP
- Python
- FastAPI
- PostgreSQL
- MariaDB
- Redis
- Docker
- Keycloak/OIDC
- Matomo
- Qdrant
- Flowise
- Ollama
- restic
Datenmodell statt klassischem Website-Katalog
Eine zentrale Architekturentscheidung war die Trennung Seminar → Durchführung → Segment. Dadurch besitzt ein wiederkehrendes Seminar dauerhaft dieselbe Adresse, während konkrete Termine und einzelne Seminartage separat modelliert werden. Das verbindet fachliche Datenstruktur, langfristige Auffindbarkeit und Wiederverwendung, statt für jeden Termin neue Webseiten und Datenkopien zu erzeugen.
Migration und technische SEO
Für die Migration vom TYPO3-System wurde eine Weiterleitungsstrategie auf Basis realer Search-Console-Daten entwickelt. Seminar- und Themenadressen wurden automatisiert mit neuen Zielen abgeglichen; unsichere Treffer wurden bewusst zur manuellen Prüfung ausgesteuert. Ein eigener Wächter kontrolliert die Weiterleitungsziele anschließend dauerhaft auf Erreichbarkeit.
Technische SEO wurde direkt in Datenmodell und Anwendung integriert, unter anderem durch strukturierte Seminarinformationen, konsistente Metadaten und maschinenlesbare Veranstaltungsdaten.
Identity und Zugriffsarchitektur
Ein zentraler Identity Provider ersetzt getrennte Kontosysteme verschiedener Anwendungen. Die Integration umfasst Single-Sign-On, ein eigenes WordPress-OIDC-Plugin, Rollen- und Berechtigungsabbildung, Registrierungsprozesse, Massenimport und Mandantenisolierung auf Identitäts-, Datenbank- und Dateiebene.
Analytics: messen statt vermuten
Die Reichweitenmessung wurde bewusst cookiefrei und selbst gehostet aufgebaut. Zusätzlich zur normalen Webanalyse entstand eine eigene Server-Log-Auswertung, die menschliche Nutzung, Suchmaschinen, KI-Systeme und anderen automatisierten Verkehr voneinander trennt. Kurz nach dem Go-Live waren 88 % des HTTP-Verkehrs Maschinenzugriffe. Eine klassische Besucherstatistik ohne diese Trennung hätte ein falsches Bild erzeugt.
Conversion-Messung erfolgt nicht nur über Klicks: Seminaranmeldungen werden als Ereignisse erfasst und mit serverseitig bestimmten Netto-Werten verknüpft.
Betrieb und Reliability
- Automatisierte Off-Site-Backups und externe Totmannüberwachung
- Monitoring zentraler Dienste, Updates und Ressourcen
- Automatisierte Prüfung von Weiterleitungszielen
- Isolierte Staging-Umgebung
- Versionskontrolle mit getrennten Entwicklungs- und Produktionsständen
- systemd-basierte Betriebs- und Wartungsaufgaben
- Tests nicht nur erfolgreicher Abläufe, sondern auch definierter Fehlerfälle
Security, Datenschutz und Barrierefreiheit
Security wurde als Bestandteil der Architektur behandelt: getrennte Mandanten und Berechtigungsräume, zentrale Identity-Verwaltung, TLS und kontrollierte Reverse-Proxy-Strukturen, minimierte Fremdabhängigkeiten sowie automatisierte Rotation ausgewählter Geheimnisse. Die Reichweitenmessung ist cookiefrei; Grenzen der Messbarkeit werden dokumentiert statt durch technisch oder datenschutzrechtlich fragwürdige Workarounds kaschiert.
Für die Zielgruppe öffentliche Verwaltung wurden außerdem BITV-relevante Aspekte umgesetzt, darunter Kontraste, semantische Bedienelemente, Tastaturbedienbarkeit, Fokusführung und zugängliche Fehlermeldungen.
Größenordnung
Was dieses Projekt zeigt
- End-to-End-Verantwortung Infrastruktur, Anwendung, Daten und Betrieb werden nicht als getrennte Silos betrachtet.
- Systemisches Denken Entscheidend ist nicht nur, ob eine Komponente funktioniert, sondern welche Auswirkungen Änderungen auf angrenzende Systeme und Prozesse haben.
- Messen vor Ändern Plausible Fehlerannahmen werden durch Messung und Gegenprüfung validiert oder widerlegt, bevor Produktivsysteme verändert werden.
- Pragmatische Architektur Eigenentwicklung dort, wo sie Abhängigkeiten reduziert oder fachliche Anforderungen besser abbildet; Standardsoftware dort, wo sie das Problem zuverlässig löst.
- Betriebsverantwortung Ein System ist nicht mit dem Deployment fertig: Backup, Monitoring, Fehlerbehandlung, Migration und Wartbarkeit gehören dazu.